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Rauchmelder für Gehörlose und Hörgeschädigte
Beratung

Rauchmelder für Gehörlose und Hörgeschädigte

Rauchmelder retten Leben / Juli 15, 2017

Der Tod kommt auf leisen Sohlen. Die überwiegende Mehrheit der Brandtoten fällt nachts dem Feuer zum Opfer. Dabei sterben 95 % an den Folgen einer Rauchvergiftung – nicht am Feuer selbst. Rauchmelder haben sich als kleine Lebensretter bewährt. Sie schlagen Alarm, sobald Rauch registriert wird.

Viele Menschen empfinden den 85 db(A) starken akustischen Alarm von Rauchmeldern als unangenehm laut. Doch vor allem nachts nehmen Menschen mit verringertem Hörvermögen den Alarmton des Rauchmelders nicht wahr, vor allem dann nicht, wenn das Hörgerät ausgeschaltet ist. Gehörlose können den Warnton überhaupt nicht hören.

Rauchmelder mit Blitzlicht und Rüttelkissen
Für Menschen deren Hörvermögen beeinträchtigt ist, sind spezielle Lösungen auf dem Markt. Dabei wird ein sogenanntes Hörgeschädigtenmodul mit dem Rauchmelder über Funk vernetzt. Im Ernstfall übersetzt das Hörgeschädigtenmodul den Alarm auch in optische und haptische Signale in Form von starken Lichtblitzen und Vibrationen mittels eines Rüttelkissens, das zwischen Matratze und Bettrahmen oder unter das Kopfkissen gelegt werden kann. Dank der Funkvernetzung wird garantiert, dass sowohl Lichtsignal als auch Vibrationsalarm aktiviert werden, ganz gleich, welcher Melder in der Wohnung ausgelöst wird.

Ebenfalls sind drahtlose Signalanlagen mit Funkübertragung erhältlich, die neben Babyruf, Telefon- und Haustürklingel-Benachrichtigung zusätzlich den Alarm von Rauchmeldern  übermitteln. Dies geschieht ebenfalls in Form von Lichtsignalen und Vibrationsimpulsen auf mobilen Funkempfängern.

Geeignete Produkte gibt es z.B. von Ei Electronics oder Humantechnik.

Rauchmelder für Gehörlose: Kostenübernahme durch Krankenkasse
Vorbeugender Brandschutz für Hörgeschädigte und Gehörlos ist mit gewissen Mehrkosten verbunden. Ein Hörgeschädigtenmodul mit Blitzleuchte und Vibrationskissen fürs Schlafzimmer kostet ca. 175 Euro. Für die Ausstattung einer 3-Zimmer-Wohnung mit drei funkvernetzten Rauchmeldern und einem Hörgeschädigtenmodul im Set sollte man ca. 500 Euro einplanen. Angeboten werden solche Sets von Herstellern wie Ei Electronics und Humantechnik.

Seit 2014 haben hörgeschädigte Menschen einen Anspruch auf eine Rauchmelder-Lösung für Gehörlose, da diese Geräte auch in allen Bundesländern bauordnungsrechtlich vorgeschrieben sind. Damit fallen Rauchmelder unter § 33 SGB V und sind sogenannte “übernahmefähige Hilfsmittel”, deren Kosten von den Krankenkassen auf Antrag übernommen werden müssen. Die Kassen übernehmen auch Sets, beispielsweise bestehend aus Türklingel, Wecker und drei Rauchmelder mit mobilem Lichtblitz- und Vibrationsmelder. Betroffene sollten sich direkt an ihren HNO-Arzt wenden – dieser ist der erste Ansprechpartner.

Zur Info: Ausnahme Landesbauordnung in Sachsen-Anhalt
In der Landesbauordnung von Sachsen-Anhalt steht (als einzigem Bundesland), dass die Rauchwarnmelder auf Verlangen für Menschen mit nachgewiesener Gehörlosigkeit mit optischen Signalen auszustatten sind. Das funktioniert zum einen so technisch nicht, zum anderen findet sich kein Hinweis auf ein Rüttelkissen (Vibrationsmelder). Das Konzept, bei dem die Installation zudem im Besitz des Wohnungseigentümers verbleibt und somit auch nicht mit bestehenden Systemen des Hörgeschädigten korrespondiert, wurde Anfang des Jahres von der Initiative “Rauchmelder retten Leben” deutlich kritisiert, auch mit Hinweis auf die bereits bestehende Kostenübernahme durch die Krankenkasse. Ein vergleichbarer Entwurf für die Landesbauordnung in Bremen wurde nach Intervention der Initiative, des Gehörlosen-Verbandes und des Behinderten-Verbandes Bremen gestrichen, da die geplante Regelung keine Verbesserung der Situation Gehörloser und Gehörbehinderter mit sich bringt, vielmehr im Gegenteil sich für diese stark negativ auswirken würde.

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