Faktencheck rum Wohnungsbrände und Feuer | Falsche Annahmen
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Faktencheck: Falsche Annahmen rund um Wohnungsbrände

Rauchmelder retten Leben / Juni 28, 2019

Gerade beim Thema Brandgefahr herrschen noch immer viele Missverständnisse vor. “Rauchmelder retten Leben” klärt über die weit verbreitesten Irrtümer auf. Raten Sie mit: richtig oder falsch?

„Ich rieche den Brand auch im Schlaf und werde davon wach.“

Falsch! 70% aller Brandopfer verunglücken nachts in den eigenen vier Wänden. Wissenschaftler haben im Rahmen einer 2004 an der Brown University (Providence, Rhode Island, USA) durchgeführten Studie nachgewiesen, dass Menschen im Schlaf von Gerüchen nicht oder erst sehr spät geweckt werden. Je nach Schlafphase kann es einige Minuten dauern, bis Bewohner nach Ausbruch eines Brandes geweckt werden. Die gefährlichen Rauchgase werden dadurch nicht rechtzeitig bemerkt und führen zum Tod durch Ersticken. Die nötige Zeit zur Selbstrettung steht nicht mehr zur Verfügung.

„Wenn es brennt, habe ich genug Zeit, mich in Sicherheit zu bringen.“

Falsch! Wenn der Rauchmelder alarmiert, haben Sie nur noch durchschnittlich zwei Minuten zur Flucht. Bei allen Bränden entstehen gerade in der Schwelphase vor dem Brandausbruch große Mengen hochgiftiger Gase. Der Brandrauch behindert zudem erheblich die Sicht. Menschen verlieren im Rauch schnell die Orientierung, auch in der eigenen Wohnung, und ersticken, bevor sie den rettenden Ausgang erreicht haben.
Rauchmelder sind daher Lebensretter. Sie nehmen auch kleinste Mengen Rauch frühzeitig wahr und schlagen Alarm, noch ehe sich eine tödliche Rauchkonzentration gebildet hat. Das Bundesamt für Materialforschung (BAM) zeigte im Jahr 2007 gemeinsam mit der Berliner Feuerwehr in einem Brandversuch: Der Rauchmelder alarmierte bereits zwei Minuten nach Ausbruch des Brandes. Personen hätten also nur noch weitere zwei Minuten Zeit gehabt, um unbeschadet den Raum zu verlassen.

„Steinhäuser brennen nicht.”

Stimmt! Aber das brauchen Sie auch nicht! Schon Ihre Gardine oder ca. 100g Schaumstoff, beispielsweise in Ihrer Couch, reichen aus, um eine tödliche Rauchvergiftung zu erzeugen. Nicht abgeschaltete oder defekte elektrische Geräte und überlastete Leitungen sind weitere Gefahrenquellen. Heutige Möbel und Elektrogeräte produzieren heute auch deutlich mehr giftigen Brandrauch und brennen schneller als früher der Wohnzimmerschrank aus Eiche.

„Die Hitze wird mich früh genug wecken.“

Falsch! Der Anstieg der Temperatur ist zu Beginn des Brandes noch nicht sehr dramatisch. Viel gefährlicher als Flammen oder Hitze ist der Brandrauch. Bei einem Schwelbrand entsteht schon vpr der Flammenbildung giftiger und dichter schwarzer Brandrauch. Schon nach wenigen Minuten erreichen die bei Bränden freigesetzten Gase Konzentrationen, die nach kürzester Zeit zum Tod durch Ersticken führen.

Die Mehrzahl der Brandopfer wird nachts im Schlaf überrascht

Stimmt! – Während ein Großteil der Feuer tagsüber ausbricht, ist die Anzahl der Opfer nachts größer. Laut offizieller Einsatzstatistiken aus UK (2017/2018) ist ein Viertel aller Brandopfer ist nachts zwischen 24:00 und 01:00 Uhr zu beklagen. Das deckt sich mit der Berliner Brandschadenstatistik (05/2018): in der Hauptstadt sind die meisten Opfer um 6 Uhr morgens, um 1 Uhr Nachts und um 23 Uhr zu beklagen.

„Meine Nachbarn oder mein Haustier werden mich rechtzeitig alarmieren.”

Falsch! Eine gefährliche Fehleinschätzung, wenn nur vier Minuten Zeit zur Flucht bleiben – besonders nachts, wenn Ihr Nachbar schläft und das Haustier im Nebenzimmer ist.

„Wer aufpasst, ist vor Brandgefahr sicher.”

Falsch! Elektrische Defekte sind häufige Brandursachen. Auch Brandstiftungen im Keller oder Hausflur sowie ein Brand in der Nachbarwohnung gefährden Sie ganz unverschuldet. Auch noch so aufmerksame Menschen sind daher nicht vor den nächtlichen Gefahren und der Vielzahl aller möglichen Brandursachen geschützt.

Senioren sind bei einem Brand besonders gefährdet

Stimmt! Von den Todesopfern im Jahr 2015 in Folge „Exposition gegenüber Rauch, Feuer und Flammen“ lag der Anteil der Opfer im Alter von über 70 Jahren bei fast 50 Prozent. In den Jahren davor war dieser Anteil sogar noch höher.