Rauchmelder in der Küche: ja oder nein? | Rauchmelder für offene Küche
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Rauchmelder in der Küche: ja oder nein?

Rauchmelder retten Leben / Juni 21, 2019

Noch immer werden allein in Deutschland jedes Jahr Hunderte Menschen Opfer von Bränden. Küchenbrände machen rund ein Drittel aller Wohnungsbrände aus. Ein wirksamer Brandschutz ist also auch in der Küche wichtig.

Die meisten Brände in Privathaushalten haben ihren Ursprung in der Küche. Die Brandursachen sind vielfältig: auf dem Herd vergessene Töpfe und Pfannen, nicht ausgeschaltete Herdplatten, verschmutzte Dunstabzugshauben, defekte Küchenherde, Kühlschränke aber auch Kleingeräte wie Toaster und Kaffeemaschinen stehen auf der Liste der Brandverursacher ganz weit oben. Laut Statistik sind für 33 % aller Küchenbrände elektrische Defekte verantwortlich, für 47 % sind Herdbrände verantwortlich. Die Ursache ist dabei überwiegend menschliches Fehlverhalten, also eine vergessene oder versehentlich eingeschaltete Herdplatte oder auf dem Herd abgelegte Gegenstände.

Warum schlägt ein Rauchmelder Alarm?

In Wohngebäuden sind Rauchmelder bundesweit Pflicht. Jedoch ist in keiner Landesbauordnung die Installation von Rauchmeldern in der Küche vorgeschrieben. Auch Brandschutzexperten sind sich darin einig, dass herkömmliche Rauchmelder für die Küche nicht geeignet seien. Warum? Weil herkömmliche Rauchmelder in der Küche auf Kochen, Braten und Backen „empfindlich reagieren“.

Wasserdampf, der beim Kochen entsteht, oder Rauchpartikel, die beim Anbrennen in der Pfanne hochwirbeln, werden von der empfindlichen Messtechnik des Rauchmelders erfasst. Die Folge: Ein herkömmlicher Rauchmelder löst Alarm aus, obwohl eigentlich gar kein Brand entstanden ist.

Das unbekannte Gerät an der Decke: Wie funktioniert eigentlich ein Rauchmelder? 3

Infografik zur Rauchmelder-Funktion

Welche Lösungen gibt es nun für die Küche?

Eine gute Lösung für die Küche sind sogenannte Wärmemelder. Sie helfen, Küchenbrände zu erkennen. Wärmemelder, auch als “Hitzemelder” oder “Thermomelder” bekannt, unterscheiden sich von herkömmlichen Rauchmeldern in ihrer Messtechnik. Sie detektieren den Brandrauch nicht, sondern schlagen erst dann Alarm, wenn die Raumtemperatur einen kritischen Wert (ca. 60° C) überschritten hat oder innerhalb einer gewissen Zeit die Umgebungstemperatur sehr schnell ansteigt. Allerdings: Wärmemelder reagieren deutlich später als Rauchmelder, so dass man noch Zeit hat, die Wohnung zu verlassen, aber die Konzentration an giftigen Brandgasen zum Zeitpunkt des Alarms in der Küche bereits lebensgefährlich hoch sein kann.

Wichtig: Wärmemelder sind kein Ersatz für herkömmliche Rauchmelder in Wohn- und Schlafräumen.

Ideal für die Küche: Herdalarm oder Herdwächter

Eine ähnliche Technik bietet ein Herdalarm, der jedoch direkt an der Dunstabzugshaube über dem Herd installiert wird und daher deutlich schneller reagiert. Der Herdalarm warnt die Bewohner frühzeitig, wenn die Herdplatte zu heiß wird oder ein abgelegtes Handtuch oder das Essen in der Pfanne in Brand gerät. Der eingebaute Temperaturfühler erkennt hohe Temperaturen und Temperaturveränderungen sofort und löst wie ein Rauchmelder ein sehr lautes Warnsignal aus. Ein weiterer Vorteil: Der Alarm lässt sich einfach auf Knopfdruck zurücksetzen und die Empfindlichkeit des Melders passt sich dadurch an die Kochgewohnheiten der Bewohner an, um Fehlalarmen vorzubeugen.

Für noch mehr Sicherheit sorgt ein sogenannter Herdwächter. Dieser alarmiert nicht nur die Bewohner, er schaltet den Herd gleich automatisch aus. Eine per Funk vernetzte Steuereinheit unterbricht dabei die Stromzufuhr zum Kochfeld. Besonders für alleinlebende ältere Menschen und Senioren oder Menschen mit Handicaps im betreuten Wohnen sind „Herdwächter“ ein Plus an Brandschutz im Alltag.

Wärmemelder in der Küche 2

Herdalarm als Lösung und Ergänzung

Rauchmelder für die Küche? Ja bitte – aber nur mit Stummschaltung!

Eine weitere Lösung für die Küche sind Rauchmelder mit Stummschaltung. Diese eignen sich besonders für Räume mit offener Küche (oder Küche im Flur bei Altbauwohnung), in denen Kochdämpfe an die im vorgeschriebenen Wohnzimmer oder Flur montierten Rauchmelder gelangen können. Wird hier ein Alarm beispielweise durch Wasserdampf ausgelöst, kann der Rauchmelder auf Knopfdruck vorübergehend stumm geschaltet werden. Aber keine Angst, der Rauchmelder ist weiterhin aktiv und einsatzbereit. Sollte sich nun innerhalb der Stummschaltzeit die Rauchkonzentration verdreifachen, wird erneut Alarm ausgelöst. Der Rauchmelder kann nun nicht mehr stummgeschaltet werden und der Alarm bleibt solange bestehen, bis sich kein Rauch oder Dampf mehr in der Messkammer befindet.

Rauchmelder-Installation in der offenen Küche

In zwei Fällen sind laut Landesbauordnung anhand der Norm Rauchmelder in Küchen verpflichtend: Wenn die Küche gleichzeitig ein Fluchtweg ist, z.B. bei einer Küche im Durchgangsflur, wie man es häufig in Altbauten bei Wohngemeinschaften findet. Und wenn (wie in Berlin und Brandenburg) im Wohnzimmer Rauchmelder installiert werden müssen und die offene Wohnküche mit dem Wohnzimmer verbunden ist. Die Montage der Rauchmelder erfolgt auch hier im Idealfall an der Decke. Wenn wie in der Küche häufige Täuschungsalarme zu befürchten sind, kann ein Rauchmelder hier alternativ auch an der Wand montiert werden, idealerweise mit Stummschaltungs-Funktion.

Wärmemelder in der Küche 3

Rauchmelder-Installation in der offenen Küche

Mindestschutz
ein Rauchmelder mittig an der Decke im
Kinder– und Schlafzimmer, Flur bzw, Fur, der als Fluchtweg gilt

Besonderer Schutz für die Küche:
Rauchmelder mit Stummschaltung, Wärmemelder und/oder Herdalarm installieren